Geschichte

Die Wochenzeitung der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz «Reformierte Presse» hiess bis 1996 «Reformiertes Forum».

Das Reformierte Forum löste 1986 folgende Publikationen ab:

  • Kirchenblatt für die reformierte Schweiz (seit 1845)
  • Evangelischer Pressedienst EPD (seit 1928)
  • Der Protestant (seit 1898)


Die „Reformierte Presse“ steht in der Tradition von über anderthalb Jahrhunderten kirchlicher Publizistik. Sie ist geprägt von entscheidenden Momenten dieser besonderen Geschichte.

Ein erster derartiger Moment: Das Kirchenblatt für die Reformierte Schweiz zählte im 19. Jahrhundert zu den protestantischen Blättern, welche den Übergang der Kirchen von der feudalen zur modernen Gesellschaftsordnung begleiteten. Die mit dem Kampf für Religionsfreiheit und der Entwicklung des säkularen Staats verbundenen Umwälzungen führten dazu, dass die Kirchen ihre Position als selbstverständlich vorgegebene religiöse Ausprägung des jeweiligen Staatswesens verloren. Sie mutierten zu Organisationen innerhalb von Staat und Gesellschaft. In diesem Prozess formten die Kirchen ihre heutige Struktur. Kirchenzeitungen spiegelten und schürten die damit verbundenen Auseinandersetzungen. Sie waren Geburtshelfer des modernen Protestantismus.

Ein zweiter Moment: Während des Zweiten Weltkriegs zeichneten sich einige kirchliche Publikationen in der Schweiz als scharfe Kritiker des Nationalsozialismus aus, ganz besonders der Evangelische Pressedienst EPD. Seine Kompromisslosigkeit war in den Kirchen vor allem bei Kriegsbeginn nicht unumstritten, beeinflusste aber zunehmend die kirchliche Haltung. Die Wächterfunktion gegenüber Kirche und Gesellschaft prägte sich aufgrund dieser geschichtlichen Erfahrung als essenzielle Aufgabe der kirchlichen Publizistik ein.

Der dritte prägende Moment war der grosse Zusammenschluss von 1986. Bis dahin hatte sich die Szene der Publikationen für Insider und Interessierte nach traditionellen kirchlichen Gesinnungen und «Kulturen» gruppiert. Diese waren mittlerweile aber zu schwach geworden, um ihre Blätter am Leben zu erhalten. Die Fusion der wichtigsten Pressetitel zum neu geschaffenen «Reformierten Forum» ermöglichte der kirchlichen Insider-Publizistik eine verlegerische und journalistische Professionalisierung. Auch erhielt das neue Organ durch Einbindung der Deutschschweizer Kirchen einen offiziellen Status. Gleichzeitig wurde seine journalistische Unabhängigkeit dank der dazwischen geschalteten Trägerschaft (Verein Reformiertes Forum; seit 1997 Verein Reformierte Medien) im Wesentlichen bewahrt.